Ich weiß, dass es sicherlich schon viele Beiträge über diese Themen gibt, viele auch darüber diskutieren, aber ich denke es ist wichtig daraus auch die richtigen Schlüsse zu ziehen.
Mit seinen neuen XL-Märkten will Schlecker auf den wachsenden Erfolg der Konkurrenz reagieren: Dafür werden alte Filialen der Drogeriekette geschlossen und die Belegschaft entlassen. In den neuen Märkten setzt Schlecker auf neue Mitarbeiter und niedrigere Löhne. (Stern.de)
Ich stelle mir bei diesem “neuen” Geschäftsmodell die Frage, ob die in der Uni gelehrten Modelle zur Arbeitslosigkeit und dem Preisniveau nicht langsam an seine Grenzen stößt. Wie lang möchte sich die Gesellschaft noch erzählen lassen, dass Mindestlohn nur Arbeitsplätze vernichtet? Wie lang kann man solchen Hinweisen von Professoren noch mit gutem Gewissen an die BWLer von morgen folgen? Wenn man Professoren im Anschluss auf die Veranstaltung auf soziale Probleme anspricht, wird vorsichtig mitgeteilt, dass “sie” als Professoren nicht selbst Stellung zu den gesellschaftlichen Problemen nehmen möchten. Warum? Feigheit: Schließlich würde ein Aufruf gegen soziale Ungerechtigkeit anzugehen mit Diskussionen und Widerstand vor allem aus der Wirtschaft und der eigenen Universität bestraft. Was liegt dabei näher, als das Problem dann, trotz öffentlichem Bildungsauftrag, einfach zurück auf Politiker abzuschieben?
Es wird Zeit aufzuwachen: Mindestlohn ist kein Allheilmittel und auch nicht grenzenlos einsetzbar – aber wohl zumindest ein Anfang. Es darf (wie im Artikel vom Stern beschrieben) einfach keine neuen Geschäftsmodelle mehr geben, die alte Mitarbeiter entlassen, um neue (oft verzweifelt suchende) Arbeitslose einzustellen, ihre Not um ihre Arbeitslosigkeit und Ausgrenzung in der Gesellschaft für Lohnfestsetzungen auszunutzen und diese mit weniger Geld im Monat auszustatten, als sie zum Leben brauchen. Unternehmen sollen wieder lernen, dass sie nur mit Innovation, Forschung und Entwicklung einen “Mehrwert” schaffen können – nicht auf Kosten der Menschen, die für das Unternehmen arbeiten.
Er hat alles richtig gemacht – und am Ende mit dem Tod bezahlt: Weil der 50-Jährige Dominik B. aus München in einer S-Bahn vier Kinder vor einem Raub schützte, schlugen und traten zwei Angreifer brutal auf ihn ein. Immer und immer wieder. Die Tat schockiert. (Stern.de)
Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich vor ein paar Jahren mit einigen Jugendlichen aus dem CVJM-Hamm zusammen an einem “Zivilcourage” – Kurs teilgenommen habe. Vor Ort waren Herren der örtlichen Polizeidienststelle, welche uns zu mehr persönlicher Aufmerksamkeit im Alltag aufforderten. Mit Erfolg – zumindest bei mir kam die “Nachricht” damals an.
Leider gibt es seit dem Jahr des Kurses Entwicklungen, die mich nachdenklich machen: Die Botschaft des Ehrenamts, Gemeinschaft und Zivilcourage erreicht leider immer weniger Menschen. Einerseits nimmt die Gewaltbereitschaft von einer gewissen “Schicht” (welches sich jedoch als eigentliches Gesamtgesellschaftsproblem darstellen müsste) scheinbar stetig zu und zur gleichen Zeit die Hemmschwelle und die “Werte”, die uns zu sozialen Wesen machen, der gleichen Personen immer mehr ab. Die Bereitschaft für Andere einzutreten, gemeinschaftlich gegen Unrecht einzutreten nimmt ab, Wegschauen scheint ein egozentrisches und zugleich sehr kurzsichtiges Massenphänomen und wegen der neuen Kategorie von Gewalt entsteht der Eindruck, für Andere einstehen und sich sozial verhalten würde bestraft. Anstatt sich Problemen gemeinsam zu stellen, gibt es scheinbar immer mehr Menschen, die den “Status Quo” – der ihnen zumindest ihren aktuellen Lebensstandard sichert – als “normal” definieren und ihre heile Welt gegen diejenigen “nach unten hin” abzuschotten, die damit nicht klar kommen.
Ich frage mich: Wie lang kann sich eine Gesellschaft dies leisten?
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